
Regisseur: Yorgos Lanthimos
Mit Nicole Kidman, Colin Farell, Barry Keoghan u.a.
Dr. Steven Murphy, lebt mit einem Geheimnis. Das perfekte Bilderbuchleben mit Ehefrau Anna und zwei Kindern wird überschattet von seinen geheimen Treffen mit dem sechzehnjährigen Martin, dessen Vater vor einigen Jahren auf Stevens Operationstisch starb. Martin, der Steven als Ersatzvater wahrnimmt und sich nichts besseres vorstellen kann als eine Beziehung zwischen dem Doktor und seiner Mutter, reagiert empört, als Steven beginnt ihn auf Abstand zu halten. Bis er ihm ein Ultimatum stellt, dem Steven nicht entkommen kann: ein Mitglied seiner Familie muss sterben, um alle anderen zu retten.
The Killing of a Sacred Deer von Yorgos Lanthismos ist skurril, die Welt Stevens und seiner Familie wirkt konstruiert, leblos, die Dialoge sind unnatürlich, emotionslos und rein funktionell, ohne Inflektion, Doppeldeutigkeit, Menschlichkeit. Erst, als die sorgsam konstruierte Kontrolle des fehlerlosen Patriarchen über die Situation ins Wanken gerät, zeigen Charaktere überhaupt Gefühle und Interesse. Doch zu diesem Zeitpunkt ist ihre leblose, roboterhafte Art schon dermaßen zur Gewohnheit geworden,dass plötzlich die Anwesenheit von sichtbarer, greifbarer Emotion überraschend und dafür umso stärker wirkt.
Generell spielt der Film viel mit den Erwartungen der Zuschauer:innen, entwickelt sich kontraintuitiv: zoomt raus, wo andere reinzoomen, zeigt Dramatisches mit kunstvollen Distanz, kreiert Schock durch Stille statt durch Lärm, lässt ein Gefühl von Spannung durch den Score aufkommen, wo lange, lange nichts geschieht außer drögem Alltag.
Was genau man davon halten soll und was es zu bedeuten hat, das lässt Lanthimos die Zuschauer:innen selbst entscheiden, wie schon bei The Lobster (2015) gibt es keine große Auflösung und keinen Aha-Moment, nur Eindrücke und Wirkung.
Sicherlich nicht jedermanns Fall, ich selbst war bis zum Ende des ersten Drittels extrem angestrengt und gestresst von der Distanziertheit des Filmes, wenngleich mich die Kamera mit ihren Weitwinkelszenerien und Following Shots von Anfang an begeistert hat. Aber irgendwann hat er mich doch mitgenommen, bis ich am Ende sagen kann: Wow. Geiler Film.
8/10
Bechdel-Test: bestanden
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