
Regisseur: James Cameron
Mit Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Sam Worthington u.a.
Ich habe mir Avatar 2 angesehen, damit ihr es nicht müsst.
Einige Jahre nachdem Jake Sully sein menschliches Leben endgültig aufgegeben hat um ein Na’vi zu werden, beginnt die Handlung von Avatar 2. Jake und Neytiri haben eine Familie gegründet- 3 eigene Kinder und 1,5 adoptierte- und Leben ihr happily ever after im Wald der Omotekaya. So weit, so kitschig, aber schön für sie, immerhin war ihr Weg bis dahin nicht leicht. Doch dann kommen die Menschen zurück. Mit neuen Waffen, einem verbesserten Avatar-Programm und richtig viel Bock auf Zerstörung.
Und so flieht die junge Familie aus dem Wald zu einem Meeresstamm, der ihnen beim Kampf gegen die Menschen schon einmal beistand. In den mittleren anderthalb Stunden geht es um nicht mehr als das neue Leben der Familie im Ozean. Und hier merkt man zum ersten Mal so richtig, wie weit sich die computergenerierte Welt von Pandora weiterentwickelt hat. Das Wasser, jahrelang eines der am schwierigsten zu animierenden Elemente überhaupt, ist wunderschön. Die Unterwasserwelten sind ebenso magisch und fantastisch und können mit der gleichen naiven Freude entdeckt werden, wie 2009 der Urwald. Der 3D-Raum hat mehr Tiefe gewonnen, wirkt plastischer und greifbarer.
Gemeinsam mit den Kindern geht man auf Entdeckungsreise in diese neue Welt, verliert sich in deren Wundern und trotzt deren Gefahren.
Doch die Menschen sind ihnen auf der Spur.
Avatar 2 ist, man merkt es schon, ein klassisches Sequel. Und nichts, aber auch gar nichts daran ist innovativ. Zugegeben- schon der erste Teil bediente hauptsächlich Klischees und verließ sich auf seine revolutionäre Technik, um die Menschen in die Kinos zu locken- und der Erfolg gab ihm recht. Avatar 2 tut exakt dasselbe. Und so toll die Technik auch ist- den Weitwinkelszenen fehlt Detail, der Übergang von echten Sets zu computergenerierten Szenen ist teilweise holprig, die erste halbe Stunde wirkt, als wäre sie 2010 fertiggestellt und dann bis zum Release nicht mehr überarbeitet worden- alles in allem wirkt der Film, als hätte ihm ein halbes Jahr mehr Produktionszeit doch gutgetan.
Die lange Laufzeit sollte es eigentlich ermöglichen, dass den vielen Einzelschicksalen, die der Film beleuchtet, genug Zeit zur Verfügung steht- leider betrifft das so richtig nur den jüngsten Sohn der Familie. Dessen Bruderschaft mit einem verstoßenen Wal-ähnlichen Wesen ist eine schöne Geschichte die auch tatsächlich den Lauf der Handlung beeinflusst. Die Adoptivtochter Kiri dagegen erlebt Teaser um Teaser, einen nicht zu Ende geführten Handlungsbogen nach dem nächsten, bis man schließlich seufzend im Kino sitzt. Sie wird der Hauptcharakter des nächsten Filmes, wir haben es wirklich alle verstanden.
Gespickt wird die Handlung noch mit einigem implizierten und einigem ziemlich offenen Sexismus, den nun wirklich niemand mehr braucht. Jakes Söhne nennen ihn Sir- so viel zur Aufgabe des Menschseins. Und Neytiri verstößt Spider, ein Waisenkind, das zwar gemeinsam mit ihren Kindern aufwächst, aber eben leider der falschen Rasse angehört, denn Spider ist menschlich. Dessen Elternschaft ist ein ganz schön an den Haaren herbeigezogenes Mysterium, das den Kommandeur der Menschen, nun ja, menschlicher erscheinen lassen soll, und allerlei irrationale Blut ist dicker als Wasser Entscheidungen zu rechtfertigen versucht.
Während also Avatar 1 eine ganze Menge Faszination bot und sich auf eine altbekannte Geschichte als Vehikel verließ, bietet Avatar 2 eine holprige Sequel-Story in schönem Setting. Und so sehr ich Pandora auch liebe- das reicht mir nicht.
6/10, und davon sind 3 Punkte Optik
Bechdel-Test: bestanden
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