Shot Caller (2017)

Regisseur: Ric Roman Waugh
Mit Lake Bell, Nicolaj Coster-Waldau, Jon Bernthal u.a.

Als Jacob in den Knast geht, ist er ein Durchschnittstyp-Mittelständisch, gutaussehend, Frau und Kind, Haus, Auto- ein bequemes Leben. Sein Verbrechen? Ein Autounfall mit Todesfolge.
Er geht einen Deal ein und bekommt 16 Monate wegen Todschlags- damit sitzt er bei den „harten Jungs“ und merkt schell, dass er nur die Wahl hat, das Spiel der kriminellen Gangs mitzuspielen oder zu verlieren. Nachdem er sich direkt an seinem ersten Tag wehrt, anstatt Prügel einzustecken, wird er von Mitgliedern einer white supremacy Gang rekrutiert und von da an geht alles ganz schnell. Er steigt auf in den Rängen, nach einem Aufstand mit mehreren Toten Insassen bekommt er weitere neun Jahre, bald kommt er in Kontakt mit dem lokalen Anführer der Aryan Brotherhood, wird dessen rechte Hand.
Sein Plan, das Spiel im Gefängnis mitzuspielen und draußen als normaler Mensch weiterzumachen, rückt in immer weitere Ferne. Und als er endlich entlassen wird, bekommt er direkt einen Auftrag- wenn er ablehnt, schwebt seine Familie in Gefahr. Widerwillig akzeptiert er. Doch insgeheim schmiedet er eigene Pläne, um seine Familie zu schützen. Und dafür ist er bereit, über Leichen zu gehen.

Shot Caller ist ein brutales Drama über die Radikalisierung im US-Amerikanischen Gefängnissystem. Korrupte Wärter und Gangkriminalität bestimmen den Alltag. Nicolaj Coster-Waldau ist fantastisch in der Rolle als Jacob, spielt den Wandel vom harmlosen Bürger zum brutalen Gangleader glaubhaft und eindringlich, und auch das übrige Cast ist hervorragend. Die Kamera fokussiert sich eher auf Gesichter als auf Gewalt, portraitiert die Charaktere in bildausfüllenden Nahaufnahmen, allein in der Szene, der Situation, der Welt.

Das einzige, was mir persönlich fehlt, ist irgendeine Auseinandersetzung damit, dass Jacob sich einer Nazigang anschließt- aber Politik spielt in diesem Film einfach absolut keine Rolle. Es gibt weder Gewissensbisse oder Identitätskrisen, noch ideoligiegeladenen Reden. Haufenweise Nazitattoos, ja. Aber die dienen eher dem Charakterdesign und der einfacheren optischen Zuordnung, als dass sie irgendwelche Glaubenssätze der Charaktere offenbaren. Der Aryan Brotherhood scheint es ausschließlich um Macht, Geld und Gewalt zu gehen- und um Bruderschaft. Aber nie um Rassismus, Hass, Ideologie. Diesen Aspekt so vollkommen außenvor zu lassen, dient natürlich dem Narrativ und lässt den zweifelhaften Helden Jacob sympathischer erscheinen- unterschlägt aber einen ganz zentralen Punkt der Problematik.
7/10
Bechdel-Test: durchgefallen.

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